Donnerstag 30 August 2007 um 13:42
Irgendwie und trotz allem, dachte ich immer, die Pressefreiheit in meinem Land ist eine gute Sache. Nunja, die Kanzlerin stand in China und forderte Menschenrechte und Pressefreiheit. Oje, dachte ich, als ich das sah, prima Sache, schön dass Sie davon spricht. Wie das mit den Menschenrechten funktioniert, können sich die Chinesen in den neuen Bundesländern abgucken. (In Mügeln sind noch Kurse frei). Wie das mit der Pressefreiheit funktioniert, kann die chinesische Regierung heute - leider nur auf deutsch - in der Tageszeitung "Junge Welt" nachlesen.
Dort wird in einem Artikel beschrieben, wie man einen Chefredakteur loswurde, weil der SPD nicht passte, was in der Zeitung, - in diesem Falle der Frankfurter Rundschau stand.
Zitat:
"Am 16. Mai 2006 wurde der Chefredakteur der Frankfurter Rundschau (FR),
Dr. Wolfgang Storz, Knall auf Fall entlassen. Nach einem Gespräch mit
der Geschäftsführung hatte er gerade mal zwei Stunden Zeit, sein Büro
zu räumen. Sein E-Mail-Account wurde sofort abgeklemmt. Am nächsten Tag
erschien auf Seite 3 eine Meldung der Geschäftsführung: Man habe den
Chefredakteur von seinem Posten entbunden. Beide Seiten seien
übereingekommen, keine weiteren Erklärungen abzugeben."
Was dann in dem Artike steht, ist ein wunderschönes Beispiel für das, was unsere Eliten für Pressefreiheit halten. Die chinesische Regierung sollte dann auch unbedingt bei Müllermeister Glos vorspechen und sich erklären lassen, wie man über Presseagenturen Artikelserien in Zeitungen kauft. Vielleicht lernen sie es ja noch, die Chinesen.
Die ganze Geschichte findet sich hier: Link und sehr lesenswert und atemberaubend.
Montag 13 August 2007 um 11:05
Nicht nur politisch unbeliebte Richter werden abgesetzt. Es geht noch weiter und ich fürchte es ist die Spitze eines Eisbergs. Unser Müllermeister Glos kauft Meinung in Zeitungen, wie der Kölner Stadtanzeiger dem verwunderten Leser mitteilt.
Zitat: ...bietet deutschen Regionalzeitungen über die Agentur Flaskamp
öffentliche politische Veranstaltungen und Redaktionsbesuche durch den
Staatssekretär an und stellt dafür „Gegenfinanzierungen“ durch
„Anzeigen“ in Aussicht. Dabei kann es sich um Summen um 30 000 bis 40
000 Euro handeln.
Nicht nur das Wetter wird immer bananiger, auch unser politisches System gleicht, dank unserer Eliten, immer mehr dem eines Bananenstaates. Kauft euch Hawaii-Hemden! Welche der Medien, die wir täglich konsumieren wohl noch gekauft sind?
Mittwoch 08 August 2007 um 14:54
Leider muss ich in den letzten Tagen oft lesen dass die Forderungen der Lockführer von 31 Prozent mehr Gehalt unverschämt seien. Auch im Kommentar der Tagesthemen gestern wurde das so geplappert. Liebe Medien, wo bitte ist euer Aufschrei wenn es um Herrn Mehdorn und seine Kollegen geht? Das Durchschnittsgehalt der Manager der DAX Unternehmen in Deutschland stieg letztes Jahr um über 30 Prozent. Ich kann mich an keinen Kommentar in den Medien dazu erinnern. Herr Mehdorn bekommt seit seinem Amtsantritt 400 Prozent mehr Gehalt. Seltsam, das bezeichnet niemand in den Medien als unverschämt.
Die Realeinkommen der Bahn-Beschäftigten befinden sich seit 2005 im
freien Fall. Vor allem aufgrund von Arbeitszeitverlängerungen sind sie
im letzten Jahr um rund zehn Prozent gefallen. Und auf die letzten drei
Jahre bezogen, weist die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)
sogar einen Reallohnverlust von fast dreißig Prozent aus. Vor diesem
Hintergrund wirkt die Forderung von Lohnsteigerungen bis zu 31 Prozent
keineswegs schrill. Zum Vergleich: Laut dem DB-Geschäftsbericht sind
die Gesamtbezüge des achtköpfigen Bahn-Vorstands allein 2006 um 62,5
Prozent auf über 20 Millionen Euro gestiegen. Der Aufsichtsrat, der
dies genehmigte, verdreifachte sogar fast seine Bezüge auf 875.000 Euro. Quelle
Dienstag 07 August 2007 um 16:17
Jetzt haben wir uns wochenlang über das Doping bei den Radfahrern aufgeregt. Mir wird schlecht, wenn ich an die Olympischen Spiele in
China denke. Der deutsche Anti-Doping Experte Franke mahnte schon vor Wochen an, dass die Kontrolleure der Internationalen Anti-Doping Agenturen ohne Vorankündung und ohne grosse Einreiseformalitäten überall in China Kontrollen machen müssten und - wenn sie das nicht könnten, die Spiele eigentlich abgesagt werden müssten. Die chinesische "Regierung" hat sich vorgenommen in den Bereichen Leichtathletik, Schwimmen und Turnen ALLE Medallien zu holen. Dazu werden schon seit Jahren Sportler gezüchtet. Turnerinnen werden mit Hormonen am Wachstum gehindert, meinte Franke. Schwimmerinnen würden vermännlicht und würden schon jetzt bei Provinzveranstaltungen Weltrekorde schwimmen, die allerdings der Weltöffentlichkeit vorenthalten würden. Ebensolches vermutet Franke auch bei den Turnerinnen. Dazu kommt die Menschenrechtslage in China. Das Ansinnen, mit den Spielen quasi als Trittbrettfahrer auch Menschenrechte in China einzuführen muss man schon jetzt als gescheitert ansehen. Warum man einer Diktatur die olympischen Spiele "anvertraut" ist mir schleierhaft. Die Medien verhalten sich leider sehr zurückhaltend, was die Berichterstattung über Doping im Vorfeld der Spiele angeht, man will wohl nicht riskieren, dass die Mitarbeiter der Medien keine Einreisegenehmigung bekommen, wenn man im Vorfeld Kritik übt. Würde man an Spielen in China die gleiche Messlatte anlegen, die für die Tour de Farce gefordert wird, müsste man eigentlich die Spiele in China schon jetzt absagen.