Gier, Dummheit und Ignoranz kosten uns Steuergelder
Dienstag 18 März 2008 at 11:56 pmIch gebe es offen zu: von Aktien und der Börse hab ich keine Ahnung. Ich gehöre zu den Geringverdienern. Aktien oder private Rente könnte ich mir, selbst wenn ich wollte - nicht leisen. Aber ich habe eine gewisse Erfahrung. Um die Jahrtausendwende, als die IT-Blase sich täglich an den Börsen blähte, wurde es irgendwie offenbar. Ich arbeitete damals als Angestellter einer IT-nahen Medienagentur und wir fragten uns täglich warum eine "Firma" die nichts als eine fragwürdige aber moderne Idee hat täglich das doppelte Wert sein kann. Ok, bei "wirklichen" Unternehmen, die etwas herstellen und so wachsen kann man durchaus auch als Laie einen Wertgewinn verstehen. Aber auf eine "Idee" alleine - das ist reine Spekulation. Supercasino.
Schon vor etwa vier Jahren kamen die ersten Berichte aus den USA über die Wertzuwächse bei Grundstücken und Immobilien. Gigantisch, was da passierte. Ganze Stadtviertel waren innerhalb weniger Monate das doppelte wert. Die Besitzer nahmen auf den ständig steigenden Wert ihrer Grundstücke Geld auf und kauften sich neue Grundstücke um noch schneller reich zu werden. Da rührte sich mein Vogelsberger Bauernhirn und ich erinnerte mich an die Börsenblase und an diesen European Dingens-Schneeball-Geldeinsammel Club in Gelnhausen damals. Whow, dachte ich, wenn das mal hochgeht.
In den nächsten zwei Jahren sah ich regelmässig Berichte im Auslandsjournal usw über das Thema. Die Unsicherheit dieser Art von "Geldanlage" wurde in jedem dieser Berichte betont. Während all dieser Jahre habe ich von unseren Eliten über dieses Thema wenig gehört ausser der ewigen Forderung nach "Deregulierung des Marktes". Dabei ist jede Art von Spekulation von Deutschland aus im amerikanischen Grundstücks-Casino doppelt gefährlich wegen des Dollar-Verfalls.
Auf einmal: Peng!
Ausgerechnet Banken, die am Staatstropf hängen hat es nun erwischt. Wie kam das alles? Waren die doof oder besoffen vor Gier? Weder noch. Die Eliten rechnen seit einiger Zeit mit Renditen auf ihre Kohle, die mit legalen Mitteln einfach nicht erwirtschaftet werden können.
Deutschlands bestbezahlter Bankvorstand, Josef Ackermann von der Deutschen Bank, hatte vor zwei Jahren, am ersten Gerichtstag im Mannesmann-Prozess, einen wunderschönen Satz gesagt: Deutschland sei das einzige Land der Welt, „in dem diejenigen, die Werte schaffen, vor Gericht stehen“. Der Deutsche-Bank-Chef stellte die „Wertschaffung“, die Klaus Esser als Mannesmann-Chef erreicht habe, anhand zweier Zahlen dar: 80 und 140 Milliarden Euro. Um 80 Milliarden Euro legte der Börsenwert von Mannesmann während des 14-wöchigen Übernahmekampfes mit Vodafone zu; um 140 Milliarden Euro stieg er vom Amtsantritt Essers am 28. Mai 1999 bis zur der Einigung auf eine friedliche Übernahme am 3. Februar 2000. Angesichts dieser „Wertsteigerungen“ seien die 15 Millionen Euro Anerkennungsprämie für Esser lächerlich, „im Null-Komma-Prozent-Bereich“ (Ackermann).
Das ist Irre. Durch Spekulationen werden also Werte geschaffen?
Und Müller bringt es auf den Punkt: "Josef Ackermann hat mit seinen immer wiederkehrenden öffentlichen Verkündungen, 25% Kapitalrendite und mehr seien drin, Maßstäbe gesetzt, Maßstäbe verschoben, irrsinnige Maßstäbe in das Denken der Wirtschaft eingeführt. Er hat Renditen, die mit normaler Wertschöpfung eines Unternehmens in der Regel nicht erreicht werden können, zur Messlatte gemacht."
So war also die Situation. Ackermann hat 25 Prozent "Rendite" vorgemacht und alle glauben das wäre normal und wer das nicht schafft ist ein Versager. Also ran an die Geldesel aus USA dachten sich die Banker und wie in Goldrush von Chaplin zogen sie mit unserem Geld nach Amerika um aus Luft Geld zu machen. Sie sind reingefallen und jetzt schreien genau die, die sonst immer alles de-regulieren wollen nach staatlicher Aufsicht. Saukomisch. Aber das wird nix nutzen, denn die Mitarbeiter des Finanzministeriums sind selber mit dabei.
In seinem Gegenantrag zur Hauptversammlung der krisengeschüttelten IKB
weist Aktionär Wolfgang Philipp nach, dass die hochrisikanten Geschäfte
und Milliardenverluste der Bank, für die nun der Steuerzahler gerade
stehen muss, auch auf einer Empfehlung des IKB-Aufsichtsratsmitgliedes
Asmussen, Ministerialdirektor im Bundesfinanzministerium (BMF), beruhen.
Das kann man hier nachlesen.
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