Bischöfin verärgert Politik - Wenn die Kirche kritisch wird...
Dienstag 05 Januar 2010 at 10:48 am
Die evangelische Bischöfin und Vorsitzende der EKD-Deutschland hat eine beeindruckende Predigt gehalten:
Zitat aus der Welt:
"Es ist der Abend des 1. Januar 2010, und der riesige Berliner Dom
ist bis auf den letzten Platz besetzt. In diesem Prunkbau, der das
fatale Bündnis von Wilhelminismus und Protestantismus, Thron und
Altarrepräsentiert, feiern die Protestanten der Hauptstadt einen
Festgottesdienst mit Abendmahl.
Nach dem Lied „Nun lasst uns
gehen und treten“ hält die neue Ratsvorsitzende der Evangelischen
Kirche Deutschlands, Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann, die Predigt.
Und was sie zu sagen hat, ist ganz undgar nicht staatstragend.
Die
Bischöfin predigt zur Losung für das Jahr 2010: „Euer Herz erschrecke
nicht – glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Und sie fragt,ob man die
Losung nicht reduzieren könne auf die Botschaft, die sie aufvielen
Grußkarten gelesen habe: „Alles wird gut“? Nein, lautet die Antwort.
Denn im privaten wie im gesellschaftlichen politischen Leben gebe es
immer wieder Grund, zu erschrecken. Und da brauche man eben den Mut,
der aus Gottvertrauen stammt, um sich dem Leben zu stellen. Und dann
kommt es:
„Nichts ist gut in Sachen Klima ? Nichts ist
gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber
hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch
Zivilisten getötet werden ? Es ist nicht alles gut, wenn so viele
Kinder arm sind im eigenen Land ? Nichts ist gut, Erschrecken
istangesagt, wenn ein Spitzensportler Angst hat, seine Depression
offiziell behandeln zu lassen ? Nichts ist gut, wir erschrecken, wenn
wir erkennen, wie bei uns eine solche Atmosphäre der Gnadenlosigkeit
herrscht und alle immer stark sein müssen – wie unmenschlich!“ So liest Deutschlands oberste Protestantin ihrem Land zu Beginn des Jahrzehnts die Leviten."
Whow, dachte ich, endlich mal ehrliche Worte von der Kirche, und las weiter. Doch dann wurde ich schnell ziemlich zornig:
Hans-Ulrich Klose, für die SPD im Bundestag und Stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, meint: „Wie jeder Bürger auch kann Frau Käßmann ihre Meinung zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr haben. Was ich jedoch für problematisch halte, ist die Tatsache, dasssie hier nicht als Privatperson gesprochen hat, sondern in ihrer Funktion als EKD-Ratsvorsitzende. Sie hat sich mit ihrer Äußerung in Gegensatz zur Mehrheit des Bundestages gesetzt. Denn dort haben Christliche Demokraten, Christlich-Soziale, Freie Demokraten, die Mehrheit meiner Partei, der SPD, und auch etliche Grüne für diesen Einsatz gestimmt. Frau Käßmann vertritt mit ihrer Meinung die Position der Linkspartei.“
Da blieb mir die Luft weg. Da haben die in Berlin für den Einsatz gestimmt - gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung und gegen den Willen der Mehrheit der Mitglieder der erwähnten Parteien und nun werden Kritiker auf solch miese, miese Art angegangen? Die evangelische Kirche ist nun "Linkspartei?"
Wenn dieser Hans-Ulrich Klose Recht hätte, wäre die Linkspartei die einzige Partei, die den Willen des Volkes in dieser Sache vertritt.
Sorry, lieber Genosse - diese Äusserung ist nicht nur stillos - sie zeigt wie ihr da oben mit jedweder Art von Kritik umgeht. Leider hat das in der SPD ja inzwischen Tradition seit dem Arbeitersohn und Gasmann Schröder.Ich beschloss also dem Genossen mal meine Meinung zu sagen:
Lieber Genosse!
Ich bin ziemlich entsetzt darüber, was ich heute in der Presse lesen musste. Da hat sich ein hoher Funktionär meiner Partei ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Lieber Genosse, deine Äusserung ist unmöglich.
Ich weiss nicht auf welchem Planet du lebst, aber wenn du etwas Bodenhaftung behalten hättest, wüsstest du, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen den Einsatz in Afghanistan ist. Dies gilt übrigends auch für die Mitglieder der von dir erwähnten Parteien, die den Einsatz beschlossen haben.
Wenn du ihr nun vorwirfst, die Positionen der Linkspartei zu vertreten, gibst du zu, dass diese Partei leider die einzige ist, die den Willen der Mehrheit des Volkes in dieser Sache vertritt.
Ich spreche dir also im Namen der Mehrheit des Volkes und der Mehrheit der SPD-Mitglieder das Recht ab, unliebsame Meinungen über den Einsatz in Afghanistan in die Schmuddelecke zu stellen. Du und die Genossen in Berlin solltet mal mehr Nachdenken, bevor ihr solchen Unfug von euch lasst.
Ich bin kein gläubiger Christ, sogar aus der Kirche ausgetreten, - aber ich muss Frau Käßmann nicht nur in Schutz nehmen vor dir, ich denke sogar es ist ihre Pflicht auf die Verlogenheiten und Widersprüche in der Politik hinzuweisen.
Ich sähe es gerne, wenn du dich für diese Äusserungen entschuldigen würdest.
Mit freundlichem Gruss
Frank Kolb
Ob er antwortet?? Mal sehen...
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